27. Oktober

Mittwoch 1993 Sonntag 2013
Ich ging erst um 8.50 Uhr und kam dann zu spät in Deutsch. Aber es interessierte niemanden. TET[1] wird immer klarer. In der Mittagspause gingen Hans und ich zu Bizerba[2]. Es gab Pommes und Fleischkäse. Ich holte ein zweites Mal. Wir bekamen Geschichte zurück (10 Punkte). Im Mündlichen habe ich 5 Punkte (so ’ne Blödkröte). In Sport hätte es niemand gemerkt, wenn ich früher nach Hause gegangen wäre, aber ich Arschloch habe meinen Geldbeutel zu den Wertsachen getan und musste warten, bis der Lehrer Schluss machte. In Ebingen ging ich zum Bertelsmann und gab die Bilder zum Nachmachen ab. Dann lief ich zum Roten Kreuz und wartete auf Franz und fuhr dann mit ihm nach Hause. Im Proberaum wurde ich von Marc angeschnauzt, weil ich zu viele eingeladen hätte. Ich musste noch Hans anrufen wegen morgen und lernte noch’n bisschen Mathe. Man stirbt und alles andere ist nur eine Ablenkung auf dem Weg dahin und irgendwann ist man einfach weg und ich weiß, dass ich 120 Jahre alt werde, deshalb liegt auch noch ein langer Weg vor mir und ich denke, dass mein Großvater sterben wollte, das hat er zumindest öfter mal gesagt, wenn ich ihn besucht habe, und ich sagte jedes Mal, dass ich möchte, dass er neunzig wird, er wollte nicht mehr, sonst wäre er nicht vor 2 Monaten gestorben und jetzt ist er weg oder vielleicht glaubt er auch wirklich an die Dogmen der katholischen Kirche und hat sich die Hölle nach seinem Tod selbst erschaffen und brennt dort nun für alle Zeit, oder er hat sich selbst in den Himmel gesetzt und lauscht den Harfenklängen der Engel und sucht Menschen, die mit ihm Karten spielen, um danach wieder in den Keller zu gehen und ein Feuer zu machen, viel Margarine aufs Brot und mehr Wurst und Käse als das Brot dick ist.


[1] Elektrotechnik

[2] Kantine dieser Firma

2 Gedanken zu “27. Oktober

  1. Irgendwie kurios.
    Wenn ich dein „Faden“ lese kommt es mir vor wie wenn wir uns gestern nach dem Realschulabschluß Tschüss gesagt hätten …du fährst mit meiner alten Hercules Ultra2 (ohne Kupplung) davon … und jetzt ginge es weiter.
    Hab mir schon oft Gedanken gemacht wie sich wohl unsere Charaktere seit damals verändert haben. Naja so ne Stadt formt einen wohl eher als ein Dorf, da wird man wohl zwangsläufig verändert. Auf dem Dorf kann man nur versuchen gegen den Sog des Normalen anzukämpfen.
    Gedanken über mein Leben zu machen … da fehlt mir wohl die Zeit. Ich mach mir Gedanken über meine Kinder , versuche den Anschluß am normalen Leben nicht zu verlieren und wenigstens einmal die Woche mit den Kumpels einen Scheiß zu quatschen.
    Hin oder her, ich finde deinen Faden einfach cool und freu mich auf die weiteren Berichte …

  2. schön,sich in deine situation von vor 20 jahren zu versetzen.toll,dass auch ich irgendwann mal zwischendrin eine kleine rolle in deinem leben gespielt habe.danke,hat mir gut gefallen.bin gespannt,was noch alles kommt,denn bis wir 120 sind,dauerts noch…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.