29. Januar 1993

Freitag 1993 Sonntag 2023
Ich schrieb heute Englisch und lernte erst in der Hohlstunde davor. Als ich nach Hause kam musste meine Schwester zum Zahnarzt. Ich war alleine zu Hause. Ich spielte Schlagzeug. Mein linker Fuß läuft nicht so gut. Um 5 ging ich zu Marc. Wir gingen zum Schnallenbebbel und kauften eine Kiste Fürstenberg. Wir tranken eins bei Marc und stellten sie bei ihm in den Kleiderschrank. Wir nahmen 6 Flaschen zu mir. Dann aßen wir noch eine Pizza. Ich bin jetzt in einer Welt, in der es okay ist, dass man das macht, was man machen will und darin sein Bestes gibt, die Welt vor dreißig Jahren kam mir nicht so vor, es gab so viel zu tun, in diesem sozialen System, der Beruf ist nur Nebensache, da macht man halt was wie Bankkaufmann, man baut ein Haus, zuerst muss man noch heiraten, ich hatte mir auch schon eine ausgesucht, und wahrscheinlich hätte ich glücklich bis an mein Lebensende dort gelebt, irgendwas ist schief gegangen.

28. Januar 1993

Donnerstag 1993 Samstag 2023
Heute schrieb ich Physik. Es lief gut. Ich kam um halb 2 schon nach Hause. Ich aß etwas und ging dann zu Marc. Er war heute nicht in der Schule.
Il es malade.  Um halb 7 sollte Fastnachtsbesprechung in der Festhalle sein. Ich wartete eine halbe Stunde – niemand kam, ging nach Hause, rief Marc an – alle waren bei Marc, nur mir hat es niemand gesagt.
Ich ging erst um halb 8 hin (Trotz). Um 8 Uhr war Marschierprobe.
 Besteht die Midlife Crisis aus der Erkenntnis, dass es nicht mehr weiter bergauf sondern bergab geht, dem Ende entgegen?
Das gelingende Leben muss sich anfühlen, als würde es sich weiter entwickeln, das Wachstumsparadigma des Kapitalismus kommt aus den psychologischen Bedürfnissen der Menschen. Stagnation ist Rückschritt.
Um Stillstand als etwas Positives zu akzeptieren, muss man wohl mehr meditieren.  

27. Januar 1993

Mittwoch 1993 Freitag 2023
(Marc:[1]) Schule, als ich heim kam, aß ich erst einen Happen, aber ich ging gleich danach zu meinem lieben Yamaha Schlagzeug und hatte Sex mit ihm, d. h. ich spielte mir die Finger wund. Danach kam X[2] zu mir und wir gingen zu ihm. Jetzt ist es 20:26 Uhr, wir wollen die Jungmusik[3] noch beraten bei ihrer Fastnachtsaufführung. Man kann auch für die Einführung des Gendersternchens kämpfen oder für die Kampagne Stop Violence against Women, ja, das ist natürlich auch was Gutes, oder für den Erhalt der Eiche in der Dresdner Straße, oder für eine autofreie Friedrichstraße oder für Lützerath oder für weniger Fleischkonsum, ja, aber man kann nicht alles machen und wie entscheidet man sich denn für ein Thema?

[1] Auch an diesem Tag hat Marc in mein Buch geschrieben, kein Platz mehr für einen Eintrag von mir.

[2] ich

[3] Jugendkapelle des Musikvereins

26. Januar 1993

Dienstag 1993  Donnerstag 2023
Heute war ein eklig langer Schultag. Ich nahm einen Fleischsalat von zu Hause mit. Das Geld geht mir aus (Fahrkarten, Schlagzeug). Danach ging ich noch zu Mark. Nein, zuerst kam er zu mir.  Wir nahmen noch „Faith No More“ und „Red Hot Chili Peppers“ für mich auf. Marc ruft Katja nicht mehr an. Er will nicht mehr. Katja will nicht anrufen. Marlene geht mit TopGun -> der Arme. Micha mit Small. Und ich habe niemanden.
(Marc:) Junge, da hast du nichts verpasst. Das Einzige, was zählt, ist Freundschaft, ein Bier (oder mehrere) und Metallica und natürlich sich hinter einem Schlagzeug austoben zu können. Das schreibt dir Marc in dein persönliches Tagebuch!
 Ich bin gedankenlos und der Januar ist gedankenlos und schneelos ist er auch und vielleicht kommen die Gedanken wieder, wenn der Schnee fällt, wird mein Gehirn langsam dumm, weil es nicht genutzt wird, ich möchte nicht langsam dumm werden, deshalb mache ich mir Sorgen und eigentlich wäre es doch auch schön, wenn ich sinnvolle Gedanken denken würde, aber was wären denn Themen, die es wert wären, gedacht zu werden?
Die großen Themen wie Liebe, Tod und wie man seine Zeit auf dieser Erde sinnvoll verwendet? Seltsam, dass diese Worte keinen Funken entfachen. Liebe, Tod und was dem Bedeutung gibt. Wenn es keine Bedeutung hat, dann kann man es nicht dazu zwingen. Bedeutung? Dazu müsste man was glauben.

25. Januar 1993

Montag 1993 Mittwoch 2023
Ich bekam CT[1] und Geschichte zurück (1,8 und 2,4). Der Deutschaufsatz war blöd. Ich wurde nicht fertig. Am Mittag aß ich mit Hans und Leif Kebab. Dann gingen wir mit Lay ins Musikland. Ich kaufte einen dw Fußschlegel. Um halb 6 hatte ich mit Marc wieder Schlagzeugunterricht bei Möter. Wir machten Up-, Downstrokes und Taps. Es war schwer. Danach ging ich noch zu Marc. Wir nahmen noch „Entre dos tierras“ auf. Ich bin in der Stadt, ein bequemer Sessel am Schreibtisch, den hatte ich schon vor 10 Jahren. Es hat sich kaum was geändert. 10 Jahre in der Zukunft wird die Welt wieder anders sein, wie soll es sein? Ein Haus am Meer, ein Schreibtisch mit Ausblick und eine Bibliothek mit einem bequemen Sessel und daneben eine exquisite Auswahl an schottischem Whisky und ein offener Kamin für Winterabende mit Kälte und Sturm und „Entre dos tierras“ auf Kassette hören.

[1] Computertechnik

24. Januar 1993

Sonntag 1993 Dienstag 2023
Gestern ging ich dann noch kurz zum Reiterball. War nix los -> übernachtete bei Marc. Um 11 Uhr standen wir auf. Ich ging nach Hause zum Mittagessen, machte den ganzen Tag nichts, bis ich alleine zu Hause war -> Schlagzeug. Ich lernte noch ein bisschen Deutsch, duschte und übte die Single Beat Combinations[1]. Es ist jetzt 7 Uhr. Ich höre Metallica (Ride the lightning) und gehe bald ins Bett, weil ich morgen Deutsch schreibe. Ich habe heute ein Bild gesehen, wo es um die Gamification von Sisyphos ging: Wenn man ihm einen Counter geben würde, wie oft er den Stein schon den Berg hoch geschoben hat, und manchmal vielleicht ein paar Bonuspunkte, die er als Sticker auf den Felsen kleben könnte, dann wäre er wahrscheinlich noch glücklicher, denn wenn das absurde, bedeutungslose Leben ein Spiel ist, dann ist es doch wunderbar zu ertragen.  

[1] Das mache ich immer noch.

23. Januar 1993

Samstag 1993 Montag 2023
Ich stand erst um 2 Uhr auf. Mir war nicht wohl, wegen dem Rausch von gestern. Außerdem war ich krank. Außer meiner Schwester war niemand zu Hause -> Schlagzeugspielen ohne Ende. Um halb 6 Uhr rief ich Marc an. Wir fuhren mit dem Bus um 19 Uhr 20 nach Großheim. Marc ging mit Uli zur Tankstelle. Ich ging zum Prado Bierkeller und traf Hans und Lay. Sie gingen ins Strohby nach Nussingen. Traf dann Marc mit Rausch. Wir tanzten ohne Ende im Lazy. Zurück aus der Probe, technisch funktioniert alles, aber nur technisch, die Emotionen waren heute nicht dabei, noch zwei Proben, dann spielen im Madame Claude am Freitag, das muss ausreichen, die Zeit vergeht schnell, der Tag vergeht schnell, er ist einfach vorbei, aufgewacht bin ich doch gerade erst, jetzt gehe ich wieder ins Bett und dann wache ich wieder auf und gehe wieder ins Bett, und nur noch vier Mal schlafen, Heissa, dann ist Auftrittstag, es wird der beste Auftritt, den wir jemals hatten.

22. Januar 1993

Freitag 1993 Sonntag 2023
Am Nachmittag habe ich 4 Stunden Schule geschwänzt (TMTÜ[1] und TETÜ[2]). Um 6 Uhr kamen Predrak und zwei andere Schlagzeuger und liehen sich ein Crashbecken aus. Sie konnten fast nicht spielen. Danach ging ich zu Marc. Er hat morgen Schule. Wir tranken ein Bierchen, gingen in den Jugendraum, wieder zurück und tranken noch zwei Bier, schauten TopGun an. Es gibt einen Unterschied, der muss an der Oberfläche nicht erkennbar sein. Ich kann es gut verstecken, ich habe das mein ganzes Leben gelernt. Die Regeln des richtigen Verhaltens zu finden und mich dementsprechend zu benehmen. Dieses eine „richtig“ gibt es nicht. Das macht es schwerer. Ich muss irgendwas auswählen, von dem ich denke, es wäre richtig. Und das dann überzeugend spielen.

[1] Technik Maschinenbau technische Übungen

[2] Technik Elektrotechnik technische Übungen

21. Januar 1993

Donnerstag 1993 Samstag 2023
Heute Morgen in der Schule hatte ich Französisch. Am Mittag aß ich nur drei Wecken und ein Twix. Am Nachmittag hatte ich vier Stunden FT[1]. Ich bekam die Note 1,6 für eine Drehübung. Im Bus traf ich Marc. Gerd und Stefanie waren auch da. Um 8 Uhr hatte ich noch Marschierprobe in der Festhalle. Die neue Snaredrum ist brutal laut. Man hörte fast nur das. Jetzt liege ich im Bett und denke an keine Besondere! Ein Leben in Abwesenheit eines größeren Ziels, ich gehe einfach weiter, ich gehe, nichts kommt mir näher, nichts enfernt sich von mir, es entwickelt sich nichts, oder vielleicht macht es das und ich sehe es nicht, aber ich gehe weiter, am Horizont kann ich nichts erkennen. Kein Ziel, aber stehen bleiben kann ich auch nicht, also gehe ich immer weiter und hoffe darauf, dass ich irgendwann zurückblicke und sagen kann, damals bin ich in die richtige Richtung gegangen.  

[1] Fertigungstechnik in der Werkstatt

20. Januar 1993

Mittwoch 1993 Freitag 2023
Heute Morgen ließ ich eine Stunde Englisch ausfallen und ging ins Prado. In Sport machten wir Basketball. Um halb 2 kam ich heim und machte mir ne geile Gulaschsuppe. Dann kam eine vom United Parcel Service UPS und übergab mir ein Paket vom Musikland. Ich hatte mein Splashbecken dort vergessen und heute kam es schon! Bei Marc machten wir die kleine Trommel zum Marschieren fertig. Um halb 8 war Besprechung wegen Musikballdorfgeschwätz. Ich war Zeichnen, es ist fühlt sich so an, als wäre zwischen heute und dem letzten Zeichnen am Dienstag nichts passiert, was soll ich auch erzählen? Die Proben sind gut, die Bundesliga ist zurück und ob es Leopard gibt oder nicht, ist immer noch nicht klar, ich habe Hunger und will nicht kochen, ich habe Kopfschmerzen und Ibuprofen genommen, das Wochenende kommt, was nur heißt, dass ich nicht Mathebuchmanuskripte redigieren muss. Sonst ist alles gleich.