23. November

Donnerstag 1989[1] Samstag 2013
Wir schrieben in der zweiten Schulstunde einen Aufsatz und ich wusste es erst in der ersten Stunde. Der Aufsatz war eine Bildbeschreibung über das Bild Heuernte[2] von Pieter Brueghel. Am Nachmittag hatte ich 2 Stunden Mathe in der ich viel Hausaufgaben aufbekam. Erinnerungen sind immer die Erinnerungen der Gegenwart, sie passen sich immer an die Welt an, in der man gerade lebt und man hat selten Erinnerungen, die einem nicht in den Kram passen, außer man wird darauf hingewiesen, das kommt meist von außen, oder man erlebt etwas, was man schon mal erlebt hat und dadurch öffnet sich eine Tür im Kopf und man wird von der Lawine überrollt, die aus Erinnerungen besteht, die man erfolgreich verdrängt hatte, manchmal sucht man auch nach einer bestimmten Erinnerung, weil man denkt, es wäre immer so gewesen und während des Suchens wird einem immer klarer, dass es diese Erinnerung nie gab, dass das nie passiert ist, man will es zuerst nicht wahrhaben, und sucht und sucht weiter, irgendwann akzeptiert man es dann oder auch nicht, denn es könnte ja auch sein, dass die Erinnerung nur hinter der nächsten Tür versteckt ist und morgen geht genau diese Tür wieder auf und alles ist wieder, wie es vorher war. Man muss Erinnerungen nicht so ernst nehmen, wenn man das weiß.
Dienstag 1993
Der Zug hatte 10 min Verspätung. Ich kaufte ein Sticks-Heft[3]. Physik war schnell vorbei. In TET[4] bekamen wir die Arbeit zurück (13 Punkte, yeah). In Englisch machten wir Gruppenarbeit (kam nicht viel dabei heraus). Daheim aß ich, übte auf dem Pad, übte auf dem Pad und übte auf dem Pad. Dann schaute ich eine halbe Stunde fern und vesperte[5]. Jetzt schreibe ich ins Tagebuch und höre Sting. Fields of Gold. Ich muss den Koffer noch packen und dann ins Bett. Jetzt hat gerade jemand für Franz angerufen und er ist nicht da.
Was mach’ ich jetzt noch; es ist halb neun Uhr?
Sting’s geil.

 



[1] An diesem Tag gibt es Einträge aus verschiedenen Jahren.

[3] Schlagzeugfachzeitschrift

[4] Elektrotechnik

[5] Abendessen

22. November

Montag 1993   Freitag 2013
Ich wachte mit einem Seitenscheitel auf und stand bis 6:31 Uhr im Bad-> kein Kaffee, kein Frühstück. Heute hatte es sogar in Baldingen geschneit. Ich hatte die Kassette dabei, die Marc und ich für Möter aufgenommen hatten und hörte sie während den 2 Hohlstunden. Leibfritz hat heute Geburtstag. Mathe war wieder scheiße und in Französisch hatte ich das erste Mal alles dabei. Ich schwänzte Religion und übte einen Nachmittag lang auf meinem Übungspad. Um 5 Uhr wurde ich geholt-> Schlagzeugunterricht. Möter fragte uns, warum wir nicht zu seinem Fest gekommen waren. Scheiße, das hatten wir total verschwitzt. Dann zeigte er uns, was wir bis Dezember können müssen (Hahahahahahaha). Danach las ich noch den 4. Akt von Egmont und ein bisschen Englisch, saß bis halb 10 vor dem Fernseher, duschte und war um ¼ 11 Uhr im Bett.   Ich hebe meine Augenbraue, wenn jemand in der Tram zu laut telefoniert, das stört mich, aber sonst kann man hier kaum  mehr auffallen. Außer man prügelt Unschuldige in der U-Bahn, damit kommt man in die Zeitung, mit Bild[1], im Dorf ist es nicht so, da kommt man nicht durch Prügeln weiter, da muss man sich scheiden lassen oder ein uneheliches Kind bekommen, oder nackt durch die Straßen rennen. Aber vielleicht hilft das auch nichts mehr, und eigentlich will das ja niemand, niemand will ausgestoßen sein, alle Menschen wollen nur geliebt werden, und manche denken wohl, dass sie geliebt werden, wenn sie Aufmerksamkeit erregen, wenn sie auffallen, Menschen, die unbedingt wahrgenommen werden wollen, werden in Berlin verzweifeln, hier werden sie nicht wahrgenommen, niemand schert sich darum, andererseits kann jeder einfach sein, wie er will, und niemand hebt eine Augenbraue.

 



[1] vielleicht ist das der Grund, warum die geprügelt haben

21. November

Sonntag 1993   Donnerstag 2013
Um 10 Uhr war Musikprobe[1]. Ich musste mein noch nicht vorhandenes Schlagzeugsolo nicht spielen. Danach aßen wir (Familie) im OHG[2] in Marktstetten, warteten 2 Stunden auf’s Essen und dann war’s zu wenig. Ich ging in den Proberaum und spielte ein bisschen rum. Danach übte ich noch auf dem Pad[3] daheim. Ich setzte mich vor den Fernseher. Um ¼ 9 Uhr kam „Die Geister, die ich rief“. Ich schaute es im oberen Zimmer an (unten Tatort). Der Film war gut und ziemlich rührend. Danach duschte ich und legte mich ins Bett.   Im Haus streitet ein Paar, der Mann muffelt nur manchmal ein paar Sätze vor sich hin, die Frau schreit die ganze Zeit, über mehrere Stunden, ihre Stimme überschlägt sich, man versteht sie nicht genau, etwas wie: Sie kocht nie wieder für ihn! Nichts ist richtig!! Und gar nichts kann sie richtig machen!!! Und er sagt nichts und das regt sie wohl noch mehr auf, sie schreit und schreit und schreit. Warum sollte man so ein Leben ertragen wollen, wie können die beiden zusammenbleiben? Es ist wohl nicht schlimm genug, für sie muss es wohl schlimmer sein, bevor sich was ändert.

 



[1] Probe des Musikvereins

[2] Offizierskantine des Truppenübungsplatzes

[3] Gummiübungsplatte

20. November

Samstag 1993   Mittwoch 2013
Meine Mutter weckte mich um 8 Uhr. Ich sollte in die Metzgerei und zum Café[1].
Ich brachte das Papier[2] weg und meine Schwester machte das andere statt mir.
Meine Geschwister und ich spielten von 10 Uhr bis 12 Uhr das Spiel des Lebens.
Um zwölf Uhr kam Marc und holte den Schlüssel[3], aber es waren schon wieder Schützen im Proberaum. Am Nachmittag gingen wir doch in den Proberaum, stellten 2 Bier kalt und tranken sie. Wir machten aus, dass wir heute Verstehen Sie Spaß? anschauen und dann nach Schiffstetten ins Weinhaus U. gehen, dessen Junior sturmfrei hat. Als wir dort ankamen (Marc fuhr), schaute ich zum Fenster rein -> Scheiß Fest. Wir suchten Gabrieles Haus, fanden es und fuhren nach Nussingen. Dort hatte es noch mehr Autos als gestern -> Bei Marc schauten wir noch so’n scheiß Sexfilm von 1813 oder so an und um ½ 2 war ich im Bett.
P.S. Gabriele geht mit Deiser und ich fühl mich deswegen scheiße.
  Deutschland ist ein ökonomisiertes Land, sogar der Kitaplatz dient der Wirtschaft und die ganzen Sozialleistungen sind nur dazu da, alle Menschen in den ökonomischen Prozess miteinzubeziehen, aber wenigstens werden sie miteinbezogen, man bekommt eine Ausbildung, meist sogar eine kostenlose oder bezahlte Ausbildung und hat nicht Schulden, und man bekommt auch Geld, wenn man mal keinen Job findet und auch wenn es nicht viel ist, in anderen Ländern ist es weniger, aber das ist auch gut für unsere Wirtschaft, denn wenn Menschen wirkliche Existenzprobleme haben, dann werden sie auch gewalttätiger und verüben mehr Verbrechen, Leben und Investieren ist dort unsicherer und teurer, hier kann man immer irgendwie überleben, verhungern muss niemand, in anderen Ländern ist es sehr viel nachvollziehbarer ein Verbrechen zu begehen, um seine Existenz zu sichern, denn wenn man die verliert, steht man vor dem absoluten Nichts, gut, dass das schlecht für die deutsche Wirtschaft ist.

 



[1] Bäckerei

[2] Altpapier zum Container

[3] für den Proberaum

19. November

Freitag 1993 Dienstag 2013
Ich lernte gleich Elektrotechnik. In Französisch hatten wir indirekte und direkte Objektpronomen. Ich blick’s nicht ganz. Dann schrieben wir Elektrotechnik und es lief eigentlich gut. Danach erfuhr ich gleich, dass ich einen falschen Wert eingesetzt hatte. Nach Mathe machten wir die Englischhausaufgaben. Ich holte meiner Mutter die Uhr ab, die sie beim Multi-City-Eröffnungsgewinnspiel gewonnen hatte. Daheim spielte ich von 6 bis 7 Schlagzeug, brachte in der Musikprobe[1] aber wieder kein Schlagzeugsolo[2] zustande. Nach der Musikprobe fuhr Marc mit mir und Deiser ins Heuby. Das hatte das letzte Mal am Freitag offen. Es war viel zu voll. 3 von meiner Klasse waren dort. Und viele meiner alten Realschulklasse (Andi, Stefanie, Sylvia, Michaela). Gabriele sah heute viel zu gut aus (Uaaaaaaaahh). Sie hatte ein Kleidungsstück an, bei dem man ihren geilen Bauchnabel sah, wenn sie die Arme hob. Marc fuhr mit mir noch nach Großheim und dann heim.
GABRIELE GABRIELE
Ich kann was daraus lernen, wenn ich genau aufpasse, ich muss die Augen offenhalten, dann sehe ich, ich muss die Augen ein bisschen mehr öffnen, ich muss wach und aufmerksam bleiben, dann bekomme ich Antworten auf meine Fragen, ich muss vielleicht die Augen erst mal öffnen, aber was sind denn meine Fragen? Ich weiß gar nicht mehr, um was es geht, ich habe keine Fragen, ich sitze mitten in dieser lauwarmen Badewanne und wundere mich, wie ich hier her gekommen bin, soll ich jetzt aufstehen und mich abtrocknen, muss ich mir noch die Haare waschen, habe ich das schon gemacht? Wo bin ich hier überhaupt, wer hat mir gesagt, dass ich das machen soll, war ich das selbst? Und wenn ich das selbst war, warum hatte ich gedacht, dass das gut wäre? Ich habe den Faden verloren, und weiß nicht mehr, was das soll, war da überhaupt jemals ein Faden drin? Was war denn der Sinn und Zweck des Ganzen, der muss doch mal klar gewesen sein, sonst hätte ich doch nicht angefangen, oder?


[1] Des Musikvereins

[2] Für ein Stück, das beim Jahreskonzert aufgeführt werden sollte.

18. November

Donnerstag 1993 Montag 2013
In Wirtschaftslehre fragte ich den Fritsch aus, was für Vorteile eine OHG oder GmbH oder KG hat und ob ich eine gründen kann. Jaaaaaaaaaah! What the fuck is this world…[1] In Mathe machten wir ganzrationale Funktionen-Kurven-Diskussion. In der Mittagspause aßen wir bei Bizerba. Jan B. und ich. In Physik-Übungen machten wir Versuche mit dem Wasserbad und Elektroden und mussten dann die Äquivalenzlinien zeichnen. Ich schrieb den Text und Jan und Michel machten den Versuch. Sie mussten die Punkte mit der gleichen Spannung auf ein Blatt übertragen. Sah gut aus. Sie machten es sehr bunt. Wir durften mit dem 16.10 Uhr Zug fahren und ich war um 5 Uhr daheim, spielte noch ein bisschen Drums und wollte dann TET lernen. Ich schlief dabei ein, wachte auf und probierte es noch einmal. Es klappte nicht. Ich setzte mich vorn Fernseher. Um 9 Uhr ging ich ins Bett. Meine Firma habe ich gegründet und ich werde eine Einstellung zu meinem Leben entwickeln, dass alles, was darin passiert, auch irgendwie richtig ist, warum soll ich mich aufregen, welche Minute des Tages soll ich besser nutzen, Menschen sagen mir, dass ich vielleicht auch aufpassen muss, dass ich mich nicht verliere und nicht überfordere, ich bin öfter auch mal überfordert, aber am Ende läuft es dann doch so, wie es läuft, ich weiß nicht, wie viele Chancen ich verpasst habe, man müsste mehr mit den Menschen reden, das denke ich manchmal, aber oft bin ich nicht in der Stimmung, zumindest nicht für geschäftliche Gespräche, wie ich einen Kontakt nutzen könnte, das ist das, was Maschmeyer schreibt, man sollte mit einem Gefallen für andere Menschen ruhig auch mal in Vorleistung gehen, dann hätte man sozusagen was auf dem Konto gut, und der andere werde es einem zurückzahlen, Kostenrechnung in der Freundschaftssphäre, da wird mir übel.


[1] Porch, Pearl Jam

17. November

Mittwoch 1993   Sonntag 2013
Heute ist Buß- und Bettag. Deshalb keine Schule. Ich wollte ausschlafen wurde aber um 11 Uhr geweckt. Nach dem Essen ging ich zu Marc. Wir hörten Rage against the machine (gefällt mir eigentlich nicht so) und nahmen Möters Kassette fertig auf. Dann ging ich heim und setzte mich vor den Fernseher bis ¾ 5 Uhr. Später kam Marc noch und wir joggten im Musikraum um die Pauken, denn es war arschkalt. Nebenher sprachen wir mit Guido Platnigg und Paul Leitze, die ihren Proberaum verloren hatten. Sie suchen verzweifelt. (Wollen vielleicht zu uns!) Marc fuhr dann noch mit dem Auto zu Ingrid und ich ging heim.   Leben ist wie der Aufenthalt in einem dunklen Zimmer, und man möchte gern den Lichtschalter anschalten und sucht nach ihm und wenn man ihn gefunden hat, merkt man, dass er nicht funktioniert. Man wird es nie wissen, deshalb kann man auch die Augen schließen und mal hören, was andere so sagen, wie denn dieses Zimmer aussieht, für manche ist es ein Partyraum, für andere ein Durchgangsraum zu einem anderen Zimmer, für andere ein Arbeitsplatz, manche sagen, dass das Licht doch brennt und man alles sehen kann, vielleicht sehen diese Menschen auch wirklich, ich sehe nichts.[1]

 



[1] Vielleicht bin ich nur blind.

16. November

Dienstag 1993   Samstag 2013
Der Bus kam zu spät wegen Schnee. Also gingen wir ins Corso. Jan B. und ich spielten gegen Marina Macke und Rainer Raible Tischfußball. Physik war scheiße, aber schnell vorbei. In TET[1] wiederholten wie alles noch mal. Heute hatte es geschneit! Am Nachmittag feilte ich weiter an meinem Setaufbau herum. Davor hatte alles gewackelt und war ziemlich unter Spannung. Ich probierte 1000 Möglichkeiten, lief 10 Mal vom Proberaum heim und umgekehrt, misshandelte meinen Doppeltomhalter mit der Zange und so weiter. Zum Schluss hatte ich einen respektablen, genialen Setaufbau. Nur mein Splash[2] hatte keinen richtigen Platz. Wir wollten eigentlich was machen (Fest oder Abibandprobe), aber um 10 Uhr rief ich Hans an und er sagte, dass Leibfritz nicht fahren würde, weil es glatt ist. Marc fickte Ingrid. Ich saß noch ein bisschen im Proberaum – spielte – ging wieder heim – ins Bett. Gute Nacht ihr Pisser.   Ich begebe mich auf die Suche nach dieser verlorenen Zeit und sie ist verloren, ich erfinde die verlorene Zeit neu und setze sie in meinem Kopf aus der Perspektive der heutigen Zeit zusammen, ich rekonstruiere meine Vergangenheit nicht schreibend, sie kommt mir in geschriebener Form entgegen und ich male mir die Fehlstellen so aus, wie ich denke, wie sie damals gewesen sein könnten und manche Tage sind vollkommen fremd und ich weiß nicht, was zwischen den Worten wirklich passiert ist, doch ist es immer noch nahe am Anfang meiner Zeit als denkender und reflektierender, als beobachtender Mensch und damit einfacher als die Erinnerung an die letzten fünf Jahre. Alles ist neu und die Welt ist so groß, in der Pubertät will man zumindest die soziale Welt verstehen, warum verhalten sich all die Menschen denn so, wie sie sich verhalten, was steckt dahinter, sie müssen wohl irgendwas wissen, was ich nicht verstanden habe.


[1] Elektrotechnik

[2] Beckenart

15. November

Montag 1993   Freitag 2013
Ich ging erst um 8.50 Uhr in die Schule. Ich bekam Mathe zurück (12 Punkte). Seifert[1] sagte uns unsere TM Noten (11 Punkte). Religion bekamen wir auch (8 Punkte), aber ich reklamierte gleich und er[2] nahm sie noch mal mit. Daheim hörte ich die CDs an, die Leibfritz mir ausgeliehen hatte.
Ich ging noch in den Proberaum und stellte mein Schlagzeug um. Ich machte die Tomhalterung für zwei Toms am Tamaständer mit der Pearlhalterung fest. Es wackelte ohne Ende. Um 11 Uhr hatte ich keinen Bock mehr und Kopfschmerzen -> Heim -> Bett.
  Ich dachte[3], das muss funktionieren, die Natur zu bescheißen, man macht ein Rad und nutzt das Hebelgesetz: Wenn die Arme des Rades länger sind, dann sind sie schwerer. Deshalb müssen sie nur bei der Abwärtsbewegung länger sein, das macht man, indem man sie klappbar macht, in der Aufwärtsbewegung sind die Ärmchen eingeklappt und deshalb braucht das Rad weniger Kraft, um diese Seite nach oben zu bewegen und wenn die klappbaren Ärmchen oben angekommen sind, klappen sie auf und sind länger und deshalb ist die Kraft, die sie nach unten zieht größer -> das Rad beschleunigt, dachte ich.[4]

 



[1] Machinenbaulehrer

[2] Der Religionslehrer

[3] Vor 30 Jahren

[4] Leider gibt es kein Perpetuum Mobile. Als ich klein war, war ich noch nicht vertraut mit der Existenz der Reibung in diesem Zusammenhang.

14. November

Sonntag 1993 Donnerstag 2013
Um ¾ 9 waren Marc und ich in Sigmaringen. Meine Mutter und Franz hatten uns hingefahren. Möter[1] und seine „Frau“ fuhren mit uns nach München. Dort fanden wir erst keinen Parkplatz. Dann standen wir 1 h bis Vinnie Colaiuta überhaupt kam. Dann kam er und spielte zuerst ein ¾-stündiges, hammerhartes Schlagzeugsolo. Dann konnte man ihm Fragen stellen. Man fragte über seine Fußtechnik und alles Mögliche. Es war absolut geil. So hatte ich noch nie einen Schlagzeuger spielen sehen. Er hat die gleiche Technik wie wir. Danach gingen wir Pizza essen mit 2 anderen Schlagzeugern. Dann aufs Olympiagelände bis es mit Regnen anfing. Dann verfuhren wir uns in München, weil ich Karten lesen musste, kamen dann aber trotzdem bei einem Café an, tranken ein Hefeweizen und fuhren heim. Während der Heimfahrt hörten wir Möters Musik, die absolut geil ist. Mit Omar Hakim, Vinnie, Jeff Porcaro usw. Um 10 Uhr waren wir wieder in Sigmaringen. Möter fuhr uns heim und ging noch mit in den Proberaum, gab uns Ratschläge zum Setaufbau, trank ein Bier mit uns und redete über alles Mögliche. Schlagzeugüben kann eine Form von Meditation sein, man beschäftigt seine Gliedmaßen und wenn drei davon sich in einem bestimmten Rhythmus bewegen, nimmt man sich eine Seite mit Noten und spielt mit der übrig gebliebenen Hand diesen Notentext und beobachtet sich dabei, wie man den Notentext spielt, oder wie der rechte Fuß sein Pattern spielt und ob er es auch gut und genau macht, oder man betrachtet nur den linken Fuß und die rechte Hand, ob es noch verbesserungswürdig ist. Das ist es immer, denn mit dem Üben trainiert man auch das Hören und umso mehr man übt, desto besser hört man, was man falsch macht, deshalb ist der persönliche Eindruck der Qualität des eigenen Spiels immer gleich, das Wirklich-gut-spielen-können ist immer gleich weit entfernt, wie ein Schatten, der vor einem liegt, weil die Sonne von hinten kommt, man wird ihn nicht einholen, wenn man diese Erfahrung über zwanzig Jahre macht, lernt man dabei zumindest, dass es nicht darum geht ein Ziel zu erreichen, es geht immer nur um das Üben an sich, um den Weg dahin, um den Prozess, ich bin so gut wie vor 20 Jahren, auch wenn ich besser bin.

 



[1] Schlagzeuglehrer