29. November

Montag 1993   Freitag 2013
Ich zog zum ersten Mal Handschuhe an. Ich muss meinen Zahnarztzettel übermorgen abgeben. In Französisch bekam ich die Arbeit zurück -> 14 Punkte und ich dachte, es sei scheiße gelaufen. In der Mittagspause gingen wir (Hans und ich) zu Bizerba[1]. Es gab Spaghetti. Statt Religion schauten wir einen Film an (Egmont). Am Mittwoch schreibe ich Deutsch. Beim Tambourine Man[2] kaufte ich Stöcke und ein Fell für meinen Schlagzeuglehrer Möter nachträglich zum Geburtstag. Marc fuhr heute nach Marktstetten und war wieder ganz normal (Gottseidank). Möter freute sich und schickte uns mit 2,50 DM nach Marktstetten. Er wollte dafür 8 Zigarretten, etwas zu trinken und einen belegten Wecken[3]!!!! Wir schafften es fast. Er bekam nur eine Zigarrette, 1 Wecken, 1 Kindercola und 80 Pfennig raus. Ich hatte heute meine Pearl Jam CD zurückbekommen und hörte sie bis spät in die Nacht.   Wir sind heute hier zusammengekommen, um uns schon mal darauf vorzubereiten, diesem Projekt die letzte Ölung zu geben. Es wird sterben und deshalb ist es wichtig sich über das Leben nach dem Tod Gedanken zu machen oder zumindest über einen würdigen Abgang. Konstantin[4] ließ sich auf dem Sterbebett taufen und fuhr damit in den Himmel auf, wo er sitzt nahe dem Gott, heiligen Vater, der uns alle hier auf diese Erde gesandt hat, um hier zu leiden, weil unsere Großmutter mal in einen Apfel gebissen hat, aber hätte sie das nicht getan, hätten wir die unnütze Fähigkeit der Erkenntnis nicht und würden auch die Welt nicht in Gut und Böse einteilen. Doch würden wir auch nicht daran leiden. Zurück zum Thema. Kurz vorm Ende ist es gut, sich Gedanken darüber zu machen, was danach kommt. Eigentlich lohnt sich das immer. Aber auch wenn nichts danach kommt, ist das Ende bedenkenswert. Ob sich der ganze Aufwand auch vom Ende her gelohnt hat.


[1] In die Kantine dieser Fabrik

[2] Lokaler Musikalienhändler

[3] Brötchen

[4] Der Große

28. November

Sonntag 1993   Donnerstag 2013
Um 11 Uhr wurde ich geholt[1]. Es war nicht viel los. Ich saß oft. Am Abend kam die Gitarrengruppe aus Fadenheim und aß Fondue (17. Pers). Ich fuhr mit den Eberhards heim, die Sebastian gebracht hatten, duschte und ging ins Bett.   Ein global langweiliger Tag[2]. Albanien[3] und Mauretanien[4] wurden an diesem Tag unabhängig. Vor 20 Jahren war Vollmond. Letztes Jahr gab es eine Mondfinsternis[5]. Im deutschen Bundestag wird der Hauptausschuss beschlossen. Vielleicht passiert ja heute noch was. Augen auf.

 



[1] Zum Arbeiten in der Küche

[2] Natürlich bis auf die Geburtstagskinder

[3] 1912

[4] 1960

[5] Aber eher in Australien.

27. November

Samstag 1993   Mittwoch 2013
Um 13 Uhr kam Sniffi, nachdem ich 15mal vom Proberaum heim und zurück gelaufen war. Er wurde vom alten Seifert hergefahren. Wir riefen Hans an und warteten bis Hans und Leibfritz kamen. Dann spielten wir bis halb 6 Uhr (Highway to hell, Killing in the name of, usw.) Dann wurde Sniffi abgeholt. Wir machten einen großen Fehler, indem wir weiterspielten. Um 7 Uhr kam August[1] und tobte herum. Ich hatte vergessen, die Heizung einzuschalten[2]. Wir mussten sofort aufhören -> Ich ging heim und schaute Wetten daß…? an, ging ins Bett und nicht zu Grachmusikoff[3] (Weichingen) oder zum Helferfest der 1200JahrFeier (Festhalle Fadenheim). Auch nicht nach Schiffstetten zu Midnight Sun. (Moral)   Die Geschichte dieser Maus, die nicht wie die anderen im Herbst die Körner einsammelt, sondern in den Himmel starrt und sich die Sonne ansieht, die nicht Nüsse einsammelt, sondern die Farben der Blätter bewundert und die Düfte des Herbstes genießt, die von den anderen gefragt wird, warum sie denn nicht mitarbeitet und sie sagt, das mache sie doch, sie arbeite doch, und dann kommt der Winter und irgendwann gehen die Körner und Nüsse aus und die Mäuse frieren und die Sondermaus beginnt ihnen von der Sonne zu erzählen und der Wärme der Strahlen, von den bunten Farben und von all dem Zeug, was wirklich schön war, und irgendwie scheint es die anderen Mäuse über den Winter zu bringen und sie werfen es der Maus nicht vor, dass sie nicht mitgesammelt hat.[4]


[1] Hausmeister der Festhalle

[2] Ich hatte sie ausgeschaltet, weil es beim Proben störte und jetzt war die Halle kalt.

[3] Schwäbische Band, erstes Lied war D‘ Marie hoggd dussa ond bläred, http://www.grachmusikoff.de/

[4] Und ich dachte immer, wenn sie geholfen hätte, hätte es gereicht und niemand hätte die Geschichten gebraucht.

26. November

Sonntag 1989   Dienstag 2013
Um 9.30 Uhr musste ich ministrieren[1].   Man gewöhnt sich an das, was man in seinem Leben hat. Ich habe kein Geld in meinem Leben, heute musste ich meine angemahnte Telefonrechnung im Shop bar bezahlen, damit ich weiterhin telefonieren kann und mein Internet funktioniert, das sind keine ungewöhnlichen Zustände in dieser Stadt, die von einem Mindestlohn von 8 Euro 50 nur deshalb nicht provitieren würde, weil die Jobs meist nicht sozialversicherungspflichtig, sondern auf Honorarbasis sind, und so kann man mit 8,50/h nur Hartz IV beantragen, aber die Sonne scheint heute und die Busse sind gelb und fahren durch die ganze Stadt und man richtet sich in dieser prekären Lebensweise ein, heute gibt es die Nudeln von gestern noch mal, doch das Ende des Monats naht und alles könnte auch viel schlimmer sein, die Tage sind kurz und es wird schon bald wieder dunkel und nur noch ein paar Mal schlafen, dann ist alles wieder anders.
Freitag 1993  
Ich dachte eigentlich, dass es gut gelaufen war, aber Heimle machte alle Hoffnungen zunichte (Französisch). TM[2] war wie immer. Ich sollte bis Dienstag meinen Zahnarztzettel abgeben, sonst muss ich 5 Mark zahlen. In der Mittagspause kaufte Hans 100g Krabben (gefroren, frisch) (ungeschält) und hängte sie während Englisch zum Fenster hinaus, wo sie wieder gefroren. Wir machten wieder Gruppenarbeit und jeder musste etwas vortragen. Daheim d.h. im Proberaum übte ich ein Schlagzeugsolo. In der Musikprobe war Marc nicht da und ich spielte ein Schlagzeugsolo, das niemandem gefiel. Danach ging ich heim.
P.S. Hatte am Nachmittag im Restaurant angerufen. Barbara holt mich ab und Andrea bringt mir noch etwas, was ich mitnehmen muss.
 

 

25. November

Samstag 1989   Montag 2013
Ich ging erst um 12 Uhr aus dem Bett. Dann machte ich die Hausaufgaben vom Donnerstag (1 Stunde!). Ich müsste eigentlich noch Schreibmaschinenschreiben, aber dazu habe ich keine Lust. Ich wollte den Hinterreifen von meinem neu lackierten Winterfahrrad flicken, aber ich durfte nicht.   Der November ist der Monat, in dem man sterben sollte, das passt am besten und man kann die Beerdigung dementsprechend inszenieren, die Begräbnisfeiergäste sollen sich alle als Vampire verkleiden, sehr geehrte Angehörige und Angehörigerinnen, die Bestattung findet am 28. November um 20 Uhr auf der städtischen Begräbnisanlage im Bereich 19 VI statt. Bitte bringen Sie ihre gewünschten Getränke selbst mit, für Kühlschrank, Musik[1] und Snacks wird gesorgt. Der Tod kommt zu allen Menschen, und wenn jemand stirbt, dann ist es nur unangenehm für die Angehörigen, wie verhält man sich angemessen, wenn Angehörige von Freunden sterben, dann steht man da und hat das Gefühl, man müsste das Gegenüber in den Arm nehmen, man ist sich nicht sicher, ob das angebracht ist, wenn die Tränen in den Augen stehen und die Worte stocken und mit dem lächelnden Wegzwinkern das Auge überläuft.
Donnerstag 1993  
Ich ging wie immer zur Schule. Um 12 Uhr ging ich heim. Keinen Bock auf Elektrotechnik-Übungen. Ich traf Marc, als er heimlief. Er redete 3 Wörter mit mir, und als ich ihm sagte, dass er am Samstag nicht mit Truce[2] proben könne, weil ich mit der Abi-Band üben wollte, sagte er nur, das solle Hans[3] mit Tischbein[4] ausmachen (???). (Dieser Satz ergibt keinen Sinn!) Am Nachmittag wollte ich eigentlich Französisch lernen, aber saß nur vorm Fernseher. Erst um 6 Uhr lernte ich, dann aber bis 8 Uhr -> Bett.  

 



[1] Als Geschäftsidee für MUJAY

[2] seine Band

[3] sein Gitarrist

[4] sein Bassist

24. November

Freitag 1989 Sonntag 2013
Am Morgen hatten wir Schwimmen. Am Mittag nummerierte ich Disketten[1]. Dann ging ich zum Frisör und danach mit Papa zum effeff und zeichnete an einem Computer ein Flugzeug. Der Plotter funktionierte nicht recht. Darum sah das Bild auch nicht so schön aus. Um 8.00 Uhr musste ich in die Musikprobe. Wurzel 2 ist keine rationale Zahl[2]. Wäre sie eine rationale Zahl, dann müsste sie durch einen gekürzten Bruch dargestellt werden können. Sei P der Zähler und Q der Nenner. P/Q=√2. Quadriert man beide Seiten, hat man P Quadrat durch Q Quadrat ergibt 2. Bringt man Q Quadrat durch Multiplikation auf die andere Seite, sieht man, dass P Quadrat eine gerade Zahl sein muss, weil sie durch 2 mal Q Quadrat darstellbar ist[3]. Das heißt aber auch, dass P eine gerade Zahl ist[4] und sich durch 2 mal N darstellen lässt. Quadriert man 2N, ergibt sich 4 N Quadrat gleich 2 Q Quadrat. Wenn man die Gleichung nun durch 2 teilt sieht man, dass Q eine gerade Zahl sein muss! Widerspruch zur Voraussetzung der Gekürztheit[5]! Also ist Wurzel 2 keine rationale Zahl.
Mittwoch 1993
Ich ging erst um 8.50 Uhr. In Deutsch lasen wir Egmont weiter. Dann TM[6] bei Seifert. In der Mittagspause aßen wir seit langem mal wieder ein Kebab. Nach Gemeinschaftskunde ging ich heim. Kein Bock auf Deutsch, Physik und Sport. Daheim rief ich Marc an. Er schnauzte mich nur voll.

 



[1] 5¼’

[2] Zahlen, die sich als Brüche darstellen lassen.

[3] P²=2Q²

[4] Weil Quadratzahlen nur gerade sind, wenn die quadrierte Zahl gerade ist.

[5] Es können nicht P und Q gerade sein, sonst könnte man kürzen.

[6] Maschinenbau

23. November

Donnerstag 1989[1] Samstag 2013
Wir schrieben in der zweiten Schulstunde einen Aufsatz und ich wusste es erst in der ersten Stunde. Der Aufsatz war eine Bildbeschreibung über das Bild Heuernte[2] von Pieter Brueghel. Am Nachmittag hatte ich 2 Stunden Mathe in der ich viel Hausaufgaben aufbekam. Erinnerungen sind immer die Erinnerungen der Gegenwart, sie passen sich immer an die Welt an, in der man gerade lebt und man hat selten Erinnerungen, die einem nicht in den Kram passen, außer man wird darauf hingewiesen, das kommt meist von außen, oder man erlebt etwas, was man schon mal erlebt hat und dadurch öffnet sich eine Tür im Kopf und man wird von der Lawine überrollt, die aus Erinnerungen besteht, die man erfolgreich verdrängt hatte, manchmal sucht man auch nach einer bestimmten Erinnerung, weil man denkt, es wäre immer so gewesen und während des Suchens wird einem immer klarer, dass es diese Erinnerung nie gab, dass das nie passiert ist, man will es zuerst nicht wahrhaben, und sucht und sucht weiter, irgendwann akzeptiert man es dann oder auch nicht, denn es könnte ja auch sein, dass die Erinnerung nur hinter der nächsten Tür versteckt ist und morgen geht genau diese Tür wieder auf und alles ist wieder, wie es vorher war. Man muss Erinnerungen nicht so ernst nehmen, wenn man das weiß.
Dienstag 1993
Der Zug hatte 10 min Verspätung. Ich kaufte ein Sticks-Heft[3]. Physik war schnell vorbei. In TET[4] bekamen wir die Arbeit zurück (13 Punkte, yeah). In Englisch machten wir Gruppenarbeit (kam nicht viel dabei heraus). Daheim aß ich, übte auf dem Pad, übte auf dem Pad und übte auf dem Pad. Dann schaute ich eine halbe Stunde fern und vesperte[5]. Jetzt schreibe ich ins Tagebuch und höre Sting. Fields of Gold. Ich muss den Koffer noch packen und dann ins Bett. Jetzt hat gerade jemand für Franz angerufen und er ist nicht da.
Was mach’ ich jetzt noch; es ist halb neun Uhr?
Sting’s geil.

 



[1] An diesem Tag gibt es Einträge aus verschiedenen Jahren.

[3] Schlagzeugfachzeitschrift

[4] Elektrotechnik

[5] Abendessen

22. November

Montag 1993   Freitag 2013
Ich wachte mit einem Seitenscheitel auf und stand bis 6:31 Uhr im Bad-> kein Kaffee, kein Frühstück. Heute hatte es sogar in Baldingen geschneit. Ich hatte die Kassette dabei, die Marc und ich für Möter aufgenommen hatten und hörte sie während den 2 Hohlstunden. Leibfritz hat heute Geburtstag. Mathe war wieder scheiße und in Französisch hatte ich das erste Mal alles dabei. Ich schwänzte Religion und übte einen Nachmittag lang auf meinem Übungspad. Um 5 Uhr wurde ich geholt-> Schlagzeugunterricht. Möter fragte uns, warum wir nicht zu seinem Fest gekommen waren. Scheiße, das hatten wir total verschwitzt. Dann zeigte er uns, was wir bis Dezember können müssen (Hahahahahahaha). Danach las ich noch den 4. Akt von Egmont und ein bisschen Englisch, saß bis halb 10 vor dem Fernseher, duschte und war um ¼ 11 Uhr im Bett.   Ich hebe meine Augenbraue, wenn jemand in der Tram zu laut telefoniert, das stört mich, aber sonst kann man hier kaum  mehr auffallen. Außer man prügelt Unschuldige in der U-Bahn, damit kommt man in die Zeitung, mit Bild[1], im Dorf ist es nicht so, da kommt man nicht durch Prügeln weiter, da muss man sich scheiden lassen oder ein uneheliches Kind bekommen, oder nackt durch die Straßen rennen. Aber vielleicht hilft das auch nichts mehr, und eigentlich will das ja niemand, niemand will ausgestoßen sein, alle Menschen wollen nur geliebt werden, und manche denken wohl, dass sie geliebt werden, wenn sie Aufmerksamkeit erregen, wenn sie auffallen, Menschen, die unbedingt wahrgenommen werden wollen, werden in Berlin verzweifeln, hier werden sie nicht wahrgenommen, niemand schert sich darum, andererseits kann jeder einfach sein, wie er will, und niemand hebt eine Augenbraue.

 



[1] vielleicht ist das der Grund, warum die geprügelt haben

21. November

Sonntag 1993   Donnerstag 2013
Um 10 Uhr war Musikprobe[1]. Ich musste mein noch nicht vorhandenes Schlagzeugsolo nicht spielen. Danach aßen wir (Familie) im OHG[2] in Marktstetten, warteten 2 Stunden auf’s Essen und dann war’s zu wenig. Ich ging in den Proberaum und spielte ein bisschen rum. Danach übte ich noch auf dem Pad[3] daheim. Ich setzte mich vor den Fernseher. Um ¼ 9 Uhr kam „Die Geister, die ich rief“. Ich schaute es im oberen Zimmer an (unten Tatort). Der Film war gut und ziemlich rührend. Danach duschte ich und legte mich ins Bett.   Im Haus streitet ein Paar, der Mann muffelt nur manchmal ein paar Sätze vor sich hin, die Frau schreit die ganze Zeit, über mehrere Stunden, ihre Stimme überschlägt sich, man versteht sie nicht genau, etwas wie: Sie kocht nie wieder für ihn! Nichts ist richtig!! Und gar nichts kann sie richtig machen!!! Und er sagt nichts und das regt sie wohl noch mehr auf, sie schreit und schreit und schreit. Warum sollte man so ein Leben ertragen wollen, wie können die beiden zusammenbleiben? Es ist wohl nicht schlimm genug, für sie muss es wohl schlimmer sein, bevor sich was ändert.

 



[1] Probe des Musikvereins

[2] Offizierskantine des Truppenübungsplatzes

[3] Gummiübungsplatte